03. Hör mal, wer da hämmert

Nun steht er da, der Transporter. Schlumpfblau und verwaschen. Nackt wie Gott ihn schuf. Für meine wildromantischen Hippie-Phantasien (1. einen Haufen Blumen pflücken, 2. diese kunstvoll im Haar drapieren, 3. den ganzen Tag fröhlich durch die Gegend hüpfen, dämlich grinsen und damit mürrische Deutsche auf süditalienischen Campingplätzen zur Weißglut treiben) ist dieser Anblick ein Tritt in die Eier. Da muss echt noch was gemacht werden. Mein Optimismus hält sich vornehm zurück, aber David (seines Zeichens Projektleiter / kreativer Leiter / bevollmächtigter Bauleiter / Designbeauftragter / Ansprechpartner bei Fragen zu E- und Fahrzeugtechnik) duldet keine Widerworte. Dann mal los.

Tatsächlich gefällt mir meine Rolle als Lehrling sogar besser als ich dachte. Reiche emsig Bretter oder Schrauben. Gerade kloppe ich irgendwo Nägel rein (unfallfrei, wie ich an dieser Stelle betonen möchte), als David mich zur Seite nimmt. „Es ist wirklich ganz toll, dass du mir hilfst.“

Ha! Ich hatte es immer gewusst. In mir schlummert ein Wunderkind, ein Genius. Vielleicht sollte ich eine Schreinerlehre machen, um meine weitreichenden Potentiale voll zur Entfaltung zu bringen.

David räuspert sich. Irgendwas ist ihm unangenehm. Gequält mustert er die soeben von mir eingehauenen Nägel. Ein oder zwei sind ein ganz klein bisschen schief geraten. Ok gut, ein paar sind wirklich etwas missglückt, aber der Rest gehört so. Hat mehr Charakter, wenn nicht alles so perfekt aussieht. „Möchtest du nicht etwas anderes machen? Oben in der Wohnung vielleicht?“

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