05. Tausche Bock gegen Bulli

Als wir mit dem Innenausbau begannen, stellten wir schnell fest, dass echt nicht viel Platz ist. Überraschung. Und natürlich hatten wir auch gewisse Ansprüche an Theos Innenleben. Dabei spreche ich jetzt gar nicht unbedingt von einem Schuhregal. Aber alles, was das Fundament der Maslow‘schen Bedürfnispyramide bildet, sollte wenigstens in rudimentärer Form abgedeckt sein. Nicht einfach, aber echt wichtig:

Vor einigen Jahren, auf dem Höhepunkt unserer Jugend und Coolness, sind wir häufig mit Davids Motorrad durch die Weltgeschichte gebügelt. Fühlte mich voll Werner beinhart, so als Sozia hinten draufgeschnallt. Und eben weil wir so knüppelharte Typen sind, verzichteten wir nach Möglichkeit auch bei mehrtägigen Touren auf jedwege Form der Planung. Da war es nur konsequent, dass wir weder ein internetfähiges Handy, noch ein funktionierendes Navi mitnahmen, sondern uns lediglich auf ein etwas in die Jahre gekommenes und entsprechend zerfleddertes Kartenmaterial verließen.

So trug es sich zu, dass wir nach endloser Fahrt mitten in der toskanischen Pampa Halt machten. Es sah nach Unwetter aus, war sauwarm (echt spaßig in Motorradklamotten), wir waren müde, hatten uns hoffnungslos verfranst und seit Ewigkeiten nichts gegessen. Im Übrigen sagt einem auch niemand, dass nach Stunden aufm Motorrad irgendwann höllisch der Arsch weh tut. Noch bevor wir die Helme abgenommen hatten, lagen wir uns tierisch in den Haaren. Der Grund unserer Auseinandersetzung war von so existenzieller Tragweite, dass ich mich beim besten Willen nicht daran erinnern kann. Glücklicherweise hatte David die Geistesgegenwart, sich an ein paar zerquetschte Kekse im Rucksack zu erinnern. Wir kauten artig und das Wölfische der Unterzuckerung wich langsam einer gewissen menschlichen Ratio. Nachdem sich die Wolken verzogen hatten (sowohl auf meteorologischer wie auch metaphorischer Ebene), gelangten wir letztlich zu einem wirklich hinreißenden toskanischen Hotel (http://locandalepiazze.com/de/). Altes Landgut, 4 Sterne, Pool mit Blick auf das toskanische Hügelland. Jetzt nicht exakt das, was man sich unter Wildheit und Abenteuer vorstellt. Aber geil.

Trotz des so versöhnlichen Ausgangs kam ich während meiner Mini-Reha am Hotelpool dennoch nicht umhin mir einzugestehen, dass diese Art des Reisens doch ein wenig zu krass ist für meine beinharte Coolness.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s