07.1. Das erste Mal

Wir und Theo hatten zuletzt täglich etliche Stunden miteinander zugebracht, uns einander zärtlich genähert und schließlich tief ineinander versenkt. Der Innenausbau nahm Form an und man konnte die knisternde Erwartung spüren, die sich über uns gelegt hatte. Unsere Beziehung war reif für das nächste Level: Die erste gemeinsame Nacht.
Doch aller Verliebtheit zum Trotze, gaben wir uns keinen Illusionen hin. Diese Nacht würde alles entscheiden. Wir würden feststellen, ob das liebevoll geplante Interieur tatsächlich Sinn machte. Ob die sorgsam zusammengetragenen Camping-Utensilien ihren Zweck erfüllten. Ob die Matratzen weich genug waren. Und letztlich: ob wir wirklich zueinander passten.

Vor allem diese Frage machte mich nervös. Was, wenn ich doch mehr der 5-Sterne-All-Inclusive-Typ war? Nachdem mir auch das Dr. Sommer Team in dieser Frage nur unzureichend hätte Auskunft geben können, kompensierte ich meine Nervosität durch die Anfertigung umfangreicher Checklisten, packte Klamotten, als beabsichtige ich, dauerhaft das Land zu verlassen, und karrte kistenweise Fertigfutter an, damit wir nicht dem Hungertod anheim fielen. Unsere erste Tour sollte uns immerhin gnadenlose 4 Tage lang in die italienische Wildnis führen. Wildnis meinte in diesem Fall den Lago Maggiore, einer – wie sich das für oberitalienische Seen gehört – quasi menschenleeren Gegend. Ähm, ja.
Obwohl selbst mir das Ganze retrospektiv ein klitzekleinwenig übertrieben erscheint, hatte meine Geschäftigkeit trotzdem durchaus ihre guten Seiten: als wir schließlich aufbrachen, war ich viel zu erschöpft, um komplett in Panik zu verfallen oder über das Abendessen zu zetern (es gab wirklich grenzwertige Instant-Nudeln, die vollständig aus Lebensmittelzusatzstoffen bestanden).

Es war schon dunkel, als wir den Schweizer Campingplatz erreichten, der wegen des anstehenden Osterwochenendes ganz gut gefüllt war. Unsere Unbeholfenheit beim Einrichten unseres Nachtlagers war beinahe rührend. Hatte ein bisschen was vom Flair eines Umzugs. Man wusste, man hat dieses oder jenes Utensil ganz sicher irgendwo verramscht, findet es jetzt aber ums Verrecken nicht. Nachdem wir schließlich den Bus einmal komplett durchwühlt und dabei unsere Zahnbürsten sowie die beiden alten Schlafsäcke ausgegraben hatten, beschränkten wir die abendliche Waschung auf das Nötigste und sanken erschöpft zu Bett. An Schlaf war trotzdem nicht zu denken – und zwar nicht der Romantik wegen, sondern aufgrund der noch immer recht knackigen Außentemperaturen. 4°C können echt frisch sein, wenn man (wie in meinem Fall) einen viel zu dünnen bzw. (wie in Davids Fall) einen an den Seiten aufgerissenen Schlafsack besitzt. Und wann immer es einem von uns dennoch gelang, kurz wegzudösen, dauerte es nicht lange, bis der jeweils andere seine Liegeposition änderte und das knisternde Schlafsack-Rascheln sein Übriges zur allgemeinen Munterkeit beitrug.

Wie man sich vorstellen kann, waren wir tiefenentspannt, als wir uns am Morgen aus den Schlafsäcken schälten. Nicht.
Mein Nacken war derart verspannt, dass ich meinen Kopf nicht mehr drehen konnte und kalt war es immer noch. Glücklicherweise umriss ich damals noch nicht, dass die knapp 50€, die uns für diese eine Übernachtung in Rechnung gestellt wurden, beispielloser Wucher waren. Angestrengt versuchte ich mich als Optimist, denn hey, wir hatten immerhin Urlaub, noch gnadenlose drei Tage lang und…
Autsch… mein Nacken…

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