10.1 Dark side of Black Forest

Hatte mir nicht allzu viel vom Schwarzwald versprochen. Aber nun fuhren wir in einen postkartenkitschigen Märchenwald. Sanft wurden wir von der Hügellandschaft aufgesogen, immer tiefer drangen wir vor in die verwunschenen Wälder. Eigentlich rechnete man sekündlich mit einem vorbei galoppierenden Einhorn.

Nebel zog auf und es dämmerte schon. Endlich fanden wir einen Parkplatz. Abseits einer Ortschaft, umschlossen von dichtem Wald, sogar mit einem kleinen Bach, der sich gurgelnd durchs Gelände wand. Beim Abendessen (der „Veschper“, wie man hier mit hinreißender dialektaler Färbung zu sagen pflegt) fühlte ich mich wie im Ferienlager. Es hätte nur noch gefehlt, dass wir ein Lagerfeuer angezündet (wohl keine gute Idee auf einem Parkplatz) und uns gegenseitig Gruselgeschichten erzählt hätten (überhaupt keine gute Idee auf einem Parkplatz mitten im Nichts).

Als ich vielleicht 18 oder 19 war, hatten meine Freunde die Angewohnheit, sich bei unseren zahlreichen Treffen diverse Horror- und / oder Splatterfilme zu genehmigen, was mich als außergewöhnlich zart besaitetes aber durchaus an sozialer Inklusion interessiertes Naturell in eine echt beschissene Lage brachte. Ich, die beim Tod von Bambis Mutter noch immer in Tränen ausbrach, fand mich also im Zimmer meines besten Freundes wieder. Der Raum war dunkel, nur ein paar Kerzen flackerten. Schon während der ersten Filmminuten beschlich mich die dunkle Vorahnung, dass Herzukommen vielleicht nicht meine beste Idee gewesen war. Den Film ertrug ich meist nur mit geschlossen Augen, aber auch die Geräuschkulisse (Messer in Körper, Kopf in Waschmaschine etc.) reichte völlig. Bereits auf dem Nachhauseweg offenbarte sich eine ausgewachsene Paranoia: a) Ich als militanter Sportgegner rannte fast zu meinem Auto. b) Ich checkte die Rücksitzbank. Irgendwie hielt ich es für möglich, dass jemand in den Wagen gelangt war und sich dort versteckte, um mich später hinterrücks zu erdolchen. c) Während der Fahrt hielt ich das Lenkrad so fest umklammert, dass sich meine Knöchel weiß färbten. Hätte ja sein können, dass Zombies aus dem angrenzenden Waldstück hechten und sich vor mein fahrendes Auto werfen würden. So viel dazu.

Nun saßen wir also im Schwarzwald. Und alles war gut. Und dann wurde es dunkel.

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Ein Kommentar zu „10.1 Dark side of Black Forest

  1. Hi, toll von dir wieder zu hören 😀. Ich schaue Horrorfilme sehr gern an, und die Paranoia habe dann auch 😂 lasse Licht übernachten, mach alle Türen auch. Wache immer wieder auf und schaue hinter dem Bett nach 🤣.

    Liebe Grüße
    Alex

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