11.2 Schranken beschränken

Born-to-be-wild mit einer Prise Highway to Hell. Zwei Wochen, zwei Menschen, ein Plan: Duftende Orangenhaine, wilde Pferde, spanische Gitarre. Yee-haw! Wir ritten in den Sonnenaufgang, umweht von der ganz großen Freiheit. Unser Weg war weit und die Ziele groß: Immer die Westküste Spaniens entlang bis nach Sevilla. Gut 3000 Kilometer, einfache Wegstrecke, versteht sich. Sind wir Luschen, oder was? Doch aller Motivation zum Trotze: irgendwann wurde es zäh. Wir hatten uns einen Stellplatz in Frankreich ausgesucht, der lauschig an einem See lag. Als wir ihn erreichten, spürte ich den Impuls, den Boden zu küssen. Ich war vollkommen fertig. Und hungrig. Und müde. Und überhaupt.

Der Platz war mit einer Schranke versehen – so weit, so gut. Dachte ich. Nachdem wir uns eine umfangreiche französische Bedienungsanleitung zu Gemüte geführt hatten, waren wir nur bedingt schlauer. Natürlich hätten wir auch einfach weiterfahren, am Straßenrand parken oder irgendwen fragen können. Aber unsere Hirne, ich schreibe es der Ermattung zu, hatten den Dienst quittiert. Also mühten wir uns weiter, durchliefen brav die Online-Registrierung bis wir uns schließlich bis zum Zahlvorgang vorgekämpft hatten. Das Gerät akzeptierte nur elektronische Zahlungen (Bargeld wäre zu einfach gewesen), also EC-Karte her und es passierte – nichts. Auch nicht nach dem dritten und vierten Mal. Die Schranke blieb zu. Ich stand mittlerweile kurz vor einem Heulkrampf. Wie schwierig konnte es sein, auf einen fucking Parkplatz zu kommen? Irgendwann entdeckten wir die Nummer der Support-Hotline und weil ich wirklich abgrundtief verzweifelt war, rief ich an. Zu meiner Verzückung stellte sich heraus, dass mein Gesprächspartner in etwa so gut Englisch sprach wie ich Französisch. Ähm ja. Ich schilderte ihm also unsere Lage. Oder sowas in der Art. Mein Schädel war knallrot, ich gestikulierte frenetisch (bringt einen echten Mehrwert, wenn der andere einen nicht sehen kann) und bemühte mich um fließendes Fredenglisch, einem gruseligen Kauderwelsch aus Französisch, Deutsch und Englisch. Hätten meine Lehrer aus Schulzeiten das gehört, hätten sie – mit der vollkommenen Nutzlosigkeit ihrer jahrelangen Bemühungen konfrontiert – sich wohl von einer Brücke gestürzt. Jedenfalls hatte mein neuer Homie am anderen Ende der Leitung irgendwann offensichtlich Mitleid. Die Schranke öffnete sich. Und weil wir so viel Spaß hatten, mussten wir die ganze Chose am nächsten Morgen noch einmal abspulen, um den Parkplatz wieder zu verlassen. Um es auf den Punkt zu bringen: Cette Schranke, c‘est une fucking bitch.

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